Das Programm

Die CyberMentor-Plattform

Das Mentoring erfolgt über eine geschützte Online-Plattform. Schülerinnen und Mentorinnen tauschen sich ein Jahr lang per Mail, Chat und Forum miteinander aus und bearbeiten zu zweit oder mit weiteren Mentoring-Paaren unterschiedliche Projekte. Zwei Mentoring-Paare bilden eine Community, die die gleichen MINT-Interessen teilt. Um die Mentees und Mentorinnen zur regelmäßigen Beteiligung auf der Online-Plattform zu motivieren, wird ihnen die Gliederung des Mentoring-Jahres in vier Phasen empfohlen.

Die erste Phase „MINT im Alltag“ dient zum Aufbau der Beziehung zwischen Schülerin und Mentorin und stärkt den Gruppenzusammenhalt der Communities. Gemeinsam mit der Community können sie spannenden MINT-Alltagsfragen auf den Grund gehen. „MINT aktiv“ regt die Communities zu Projekten wie „Wie lade ich mit einer Essiggurke mein Smartphone auf?“ an. Einen Blick über den eigenen „MINT-Tellerrand“ ermöglicht „MINTeinander“: Hier können sich unterschiedliche Communities zusammenschließen, um gemeinsam interdisziplinäre Projekte durchzuführen. In der vierten Phase „MINTblick“ reflektieren die Teilnehmerinnen ihr Mentoring-Jahr und blicken auf die schönsten Momente bei CyberMentor zurück.

Auf der CyberMentor-Plattform finden die Teilnehmerinnen darüber hinaus vielfältige Informationen zu MINT. Sie haben Zugriff auf Handbücher zum Mentoring-Jahr, Bedienungsanleitungen zu verschiedenen Plattformfunktionen und Angebote zu MINT-Projekten.

Forschung bei CyberMentor

Die Begleitforschung

Mittlerweile existieren nahezu unzählige Mentoring-Programme, allerdings werden die wenigsten wissenschaftlich begleitet. Dies ist problematisch, da Studien darauf hinweisen, dass nicht alle Mentoring-Programme gleichermaßen erfolgreich sind und einige wenige sogar zu negativen Effekten führen (vgl. u.a. DuBois, Holloway, Valentine & Cooper, 2002; DuBois, Portillo, Rhodes, Silverthorn & Valentine, 2011). Daher nimmt die Begleitforschung bei CyberMentor einen wichtigen Stellenwert ein und macht das Programm zum größten wissenschaftlich begleiteten E-Mentoring-Programm für Mädchen im MINT-Bereich.

Forschungsdesign

Die fundierte und umfassende Begleitforschung bei CyberMentor liefert Erkenntnisse über erfolgreiche Mentoring-Prozesse und fließt in die kontinuierliche Verbesserung des Programms ein. Die Ergebnisse werden in wissenschaftlichen Publikationen anderen Mentoring-Programmen zur Verfügung gestellt. Die vier wichtigsten Bausteine der Begleitforschung sind:
(1) die längsschnittliche Begleitung der Programmteilnehmerinnen über mindestens drei Messzeitpunkte und teilweise über mehrere Jahre hinweg,
(2) die Wirkungsmessung mittels einer Vergleichsgruppe,
(3) eine umfangreiche Datenerhebung, die über bloße Zufriedenheitsabfragen hinausgeht, sowie
(4) die Kombination von mehreren Erhebungsmethoden.

Umsetzung

Einige Mentoring-Programme messen ihren Erfolg anhand der Zufriedenheit der Teilnehmerinnen. Allerdings ist bekannt, dass Erfolge von Mentoring-Programmen durch eine reine Zufriedenheitsabfrage häufig sehr stark überschätzt werden. Aus diesem Grund ist es CyberMentor besonders wichtig, zu untersuchen, wie sich bestimmte Merkmale der Teilnehmerinnen über den Verlauf des Mentorings hinweg verändern.

Die Geschichte von CyberMentor

Das CyberMentor-Programm begeistert bereits seit 2005 über 4.500 Mädchen für MINT (Grafik „Entwicklung der Teilnehmerinnenanzahl“). Die Idee zur Einführung eines E-Mentoring-Programms in Deutschland entstand infolge eines Besuchs der Projektleitung an der University of Alberta in Kanada. Kollegen hatten dort das internetbasierte Mentoring-Programm „Cybermentor“ initiiert. Aufgrund des vielversprechenden Ansatzes der Mädchenförderung durch Mentorinnen wurde ein Antrag für ein vergleichbares Projekt in Deutschland verfasst. Während das kanadische Projekt ausschließlich auf eine E-Mail-Kommunikation zwischen den Mentoring-Paaren setzte, sah das deutsche Pendant zusätzlich eine Online-Plattform, Online-Treffen und Schulungen für Mentorinnen vor. Mittlerweile hat CyberMentor drei Förderphasen durchlaufen.

Von 2005 bis 2007 wurde das damalige Pilotprojekt durch das baden-württembergische Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum gefördert. Als das Programm 2005 nach einer Vorbereitungsphase online ging, übertraf es seine ursprünglichen Ziele: Statt der geplanten 200 Mentoring-Paare nahmen ganze 359 Paare in den ersten beiden Jahren am Programm teil. Die Universität Ulm würdigte die Entwicklung von CyberMentor im Jahr 2006 mit dem Frauenförderpreis. Trotz dieser Erfolge wurde für das dritte Jahr keine Förderung bewilligt. CyberMentor wurde daher 2008 ehrenamtlich weitergeführt und konnte in der dritten Runde 256 Mentoring-Paare aufnehmen.
Ende 2008 konnte CyberMentor in die zweite Phase starten. CyberMentor wurde in den Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen aufgenommen und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds deutschlandweit gefördert. In diesem Zusammenhang wurde das Programm auf ganz Deutschland ausgeweitet, eine umfangreiche Begleitforschung eingeführt und die Teilnehmerinnenzahl auf jeweils 800 Schülerinnen und 800 Mentorinnen pro Runde festgelegt. Gleichzeitig wurde das Programm neben der Universität Ulm auch an der Universität Regensburg angesiedelt. Um die Institutionalisierung des Programms und eine Förderung durch die Wirtschaft voranzutreiben, wurde 2011 der CyberMentor-Beirat gegründet. Wie die Pilotphase verlief auch die erste BMBF-Förderphase sehr erfolgreich: Insgesamt nahmen in den sechs Jahren 3183 Mentoring-Paare teil.